Meine-Corona Chronik für August 2021: Vierte Welle – kein Lockdown für Geimpfte.

 

Zunehmend beschäftigt sich die Medizin mit den gefährlichen Langzeitfolgen von Covid-19 für Genesene. Das hat auch Auswirkungen auf den Sport: Die Forschung schätzt, dass alleine in Deutschland mindestens 500 Sportlerinnen und Sportler an Long Covid leiden. Symptome wie Muskelschwäche und ein erhöhter Ruhepuls können den Anschluss an die Weltspitze und damit die weitere Sportkarriere für sie unmöglich machen.

ARD-Sportschau vom 1. August 2021

 

Die Beschwerden von positiv auf Corona getesteten Athletinnen und Athleten in Tokio werden lauter und die praktizierten Bedingungen der Quarantäne sind fragwürdig. Die taz schreibt von einem „Hotel des Schreckens“ und meint das Nice Hotel in Tokio, ein hässlicher Kasten im Zentrum der Stadt. Positiv getestete Olympia-Teilnehmer(innen) müssen sich 10 bis 14 Tage in totaler Isolation aufhalten. Das OK meldet Anfang der Woche 450.000 Tests, davon O,01 Prozent mit positivem Ergebnis. Damit dürfte ein Gutteil der insgesamt 264 Positiven mit einem falsch-positiven Ergebnis zu Unrecht in Quarantäne sitzen.

taz vom 2. August 2021

 

Prof. Dr. Detlef Kuhlmann kommentiert die Auswirkungen von Corona auf den Schulsport und zitiert einen längeren Beitrag in der FAZ mit dem Titel „Schulsport fällt aus“ zum Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“: „Der Wettkampf wird den Schülern immer fremder. Die Vereine erleben eine Austrittswelle von Kindern und Jugendlichen. Was können ihnen die Olympischen Spiele noch sagen?“ Das bedeutet für ihn nicht das Ende des größten Schulsportwettbewerbs der Welt, der seit 2020 pandemiebedingt ausfallen musste. Ganz im Gegenteil, die Schulsportstiftungen hat längst mit der KMK und den Sportverbänden den Wettbewerb modernisiert und einen neuen alternativen Wettbewerb ins Leben gerufen. Die sogenannte „Schulsport-Stafette“ öffnet den Bundeswettbewerb und führt z.B. eine Aktionswoche an den Schulen ein. Der offizielle Start findet am 9. August in Berlin statt. Damit kommt es auch bei „Jugend trainiert für Olympia und Paralympics“ zum Neubeginn, ganz im Sinne der DOSB-Kampagne „Comeback der Bewegung“ für den Vereinssport.

DOSB-Presse vom 3. August 2021

Mit Grußworten des 1. Vorsitzenden der Deutschen Sportjugend (DSJ), Stefan Raid, und der Bundesjugendministerin, Christine Lambrecht, wurde die neue bundesweite Bewegungskampagne für den Kinder- und Jugendsport nach Corona vorgestellt. Die Kampagne soll Kinder und Jugendliche für Sport und Bewegung begeistern und wird mit Aktionstagen der Sportverbände und Sportvereine im Herbst eingeleitet. Der erste nationale Aktionstag wird am 2. Oktober in Hamburg stattfinden. Mit gezielter Werbung in der Öffentlichkeit, besonders auch über die sozialen Medien, sollen möglichst viele Kinder und Jugendliche direkt erreicht werden. Stefan Raid: „Bewegung macht glücklich und zufrieden. Sport im Verein ist mehr als Bewegung, Gemeinschaftsgefühl, soziales Miteinander, gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung sind genauso wichtig.“

DSJ vom 3. August 2021

 

Felix Lill berichtet über den weiter für Tokio bestehenden Corona-Ausnahmezustand und die steigenden Infektionszahlen: Yuriko Koike, Gouverneurin von Tokio, sieht den durch Corona programmierten Ablauf der Olympischen Spiele als Erfolg. Es gibt weniger Infektionen als erwartet, da die Blase, mit der die Olympiateilnehmerinnen und -teilnehmer von der Außenwelt isoliert werden, dichthalte. Toshiro Muto, CEO des Organisationskomitees, bekräftigt das: „Ich denke, wir haben es geschafft, so weit wie möglich eine Belastung für das lokale Gesundheitssystem zu vermeiden.“ Auch Premierminister Yoshihide Suga stimmt ihm zu, wenn er davon ausgeht, dass die Bevölkerung im Coronafall nur dann ins Krankenhaus muss, wenn sich ihre Situation verschlechtert: „Erholung daheim wird der Standard für Infizierte“. In der Blase bleiben oder daheim bleiben gilt gleichermaßen für Olympioniken und die Bevölkerung Tokios. Das Gesundheitskonzept der Spiele scheint aufzugehen.

Zeit online vom 4. August 2021

 

Zwei Tage vor Ablauf der Olympischen Spiele hat IOC-Präsident Thomas Bach eine ausgesprochen positive Bilanz gezogen. Die Spiele hätten seine Erwartungen weit übertroffen, sagte Bach vor Journalisten und betonte, dass die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus gewirkt haben. Er lobte besonders die Athleten, die den Spielen ohne Zuschauer unter den Bedingungen der Pandemie eine Seele gegeben hätten. Bach: „Aber glücklicherweise ist das, was wir hier sehen, ganz anders, weil die Athleten diesen Olympischen Spielen eine großartige olympische Seele verliehen haben.“ Der IOC-Präsident führte das auf die Freude der Sportler zurück, sich endlich wieder zu sehen, und auf die Freude darüber, dass die Spiele doch hätten stattfinden können.

FAZ vom 6. August 2021

 

Die Journalistin und Japan-Expertin Marei Mentlein hat im ZDF bei Rudi Cerne eine positive Bilanz der Spiele gezogen. „Es waren tolle Spiele, aber es fehlte das Aufeinanderzugehen der Sportlerinnen und Sportler auf die Bevölkerung von Tokio“. Nur bei wenigen Außenterminen – so bei den BMX-Wettbewerben – konnten die Bewohner von Tokio etwas vom Feeling der Spiele spüren, ansonsten waren sie an den TV-Bildschirmen dabei. Eine Goldmedaille haben die Japaner für die gute Organisation verdient, nun wird diskutiert, ob die Paralympics mit oder ohne Zuschauer stattfinden können.

ZDF Olympia kompakt vom 7. August 2021

 

Bild titelt „Auch das noch!“ und berichtet über den zweiten Coronafall im deutschen Olympia-Team. Ausgerechnet den Modernen Fünfkampf – nach dem Reit-Drama um Annika Schleu – trifft die positive Testung von Sportdirektorin Susanne Wiedemann. Ein PCR-Test hat das erste Ergebnis bestätigt, so dass sie sie nun wenige Stunden vor der Schlussfeier das Olympische Dorf mit dem Quarantäne-Hotel tauschen muss. Weitere Covid-19 Fälle im Team D sind nicht aufgetreten.

Bild vom 8. August 2021

 

Kathrin Erdmann kommentiert das Ende der Olympischen Spiele unter der Überschrift „Japan zwischen Begeisterung und Ignoranz“ und fragt, was außer den sieben neu gebauten Stadien und dem Olympischen Dorf für die Bevölkerung bleibt und ob die Regierung ihr Versprechen von sicheren Spielen eingelöst hat. Viele Japaner haben den Dauernotstand in Tokio ignoriert, Bars besucht und Alkohol getrunken, obwohl sie zu Hause bleiben sollten. Die Coronazahlen steigen, auch wenn das nach Aussagen der Regierung nichts mit den Spielen zu tun haben soll. Unterhauswahlen stehen im Herbst an, die Wirtschaft bricht ein, die Goldmedaillen sind das letzte Feuerwerk vor dem Herbst. Olympia hat die Gesellschaft gespalten.

Deutschlandfunk vom 8. August 2021

 

Kopf der Woche: Thomas Mertens, der Virologe und Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) steht unfreiwillig im Zentrum der politischen Debatte über Corona-Impfungen von Kindern und Jugendlichen. Die Experten der STIKO hatten nach bisheriger Datenlage vorerst keine explizite Impfempfehlung für Kinder ab 12 Jahren gegeben, sondern nur für Kinder dieses Alters mit Vorerkrankungen. Hingegen wollen die Gesundheitsminister und -Senatoren, dass sich auch die 12- bis 17-jährigen impfen lassen. Zum Schulstart nach den Sommerferien dringen Politiker auf eine klare Empfehlung der STIKO. Mit geimpften Kindern wäre der Präsenzunterricht an Schulen weitaus einfacher zu organisieren. Für Kinder ab 12 Jahren gibt es eine Zulassung von Corona-Impfstoffen, für kleinere Kinder bisher nicht.

Das Parlament vom 9. August 2021

 

In der auflagenstärksten wissenschaftlichen Zeitung „Forschung&Lehre“ des Deutschen Hochschulverbandes erklärt der Sporthistoriker Prof. Dr. Michael Krüger (Münster) den Sinn olympischer Spiele und warum deren Absage nicht in Frage kam. Er zieht ein Fazit mit mehreren Fragezeichen: Die Öffnung der Spiele für neue Sportarten sowie technische und ästhetische Innovationen hätte 2020 ein Markenzeichen der Spiele von Tokio werden können, wenn es nicht ein Jahr später Pandemiespiele geworden wären. Sie werden neben den Spielen von München wohl als traurigsten und denkwürdigsten Spiele aller Zeiten in die Geschichte des Sports eingehen. Deshalb stellt sich am Ende die Frage erneut, ob es denn richtig war, die Spiele durchzuführen: War es eine „Feier“ zu Ehren der „jugendlichen Erwachsenen“ im Sinne Coubertins? Das Wort „Feier“ hat der Tenno beim Sprechen der vorgeschriebenen Formel zur Eröffnung der Spiele übrigens weggelassen. War es ein Fest, bei dem neben „citius, altius, fortius“ (schneller, höher, stärker) auch Solidarität und Gemeinschaft sichtbar wurde, wie es sich Thomas Bach gewünscht hatte? Das IOC hatte auf seiner Sitzung in Tokio beschlossen, in der Olympischen Charta das klassische Motto der Spiele durch „communiter“ (gemeinsam) zu ergänzen. Haben die Spiele mehr Frieden für die Welt gebracht? Haben sie die Menschen einander nähergebracht – trotz Mundmaske, Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen?

DOSB vom 10. August 2021

 

Die Paralympischen Spiele in Tokio werden größtenteils ohne Zuschauer stattfinden. Das beschlossen die Organisatoren am 16. August auf Grund der sich verschärfenden Corona-Lage in Japan. Eine Ausnahme soll für Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Erziehungsprogramms der Regierung gemacht werden: Sie dürfen sich Wettkämpfe in Arenen anschauen, wenn die lokalen Schulbehörden dies in Absprache mit den Eltern wünschen. Das Programm ist notwendig, da in Japan Inklusion bei der älteren Generation auf Vorurteile trifft.

ARD-Sportschau vom 17. August 2021

 

Berlin übernimmt die Beschlüsse der Ministerpräsidenten-Konferenz, wobei es nach Aussagen des Regierenden Bürgermeisters wegen der steigenden Coronazahlen keinen Platz für Lockerungen, aber auch keine Verschärfungen geben wird. Ab 21. August müssen Ungeimpfte wieder häufiger Testzentren aufsuchen, um am öffentlichen Leben teilhaben zu können. In Schulen gilt länger als bisher geplant die Maskenpflicht. Und: Der Senat wird auch in S-Bahnen impfen lassen. Bei Veranstaltungen in Innenräumen und bei Versammlungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 50 zeitgleich anwesenden Personen sowie körpernahen Dienstleistungen kommen die drei Gs – Geimpfte, Genesene und Getestete – zum Tragen. Das gilt auch bei Besuchen in Krankenhäusern, Reha- oder Behinderteneinrichtungen. Ungeimpfte müssen sich testen lassen, wenn sie Feste, Kultur- und Sportveranstaltungen aufsuchen wollen. Für Veranstaltungen im Außenbereich gilt das ab einer Teilnehmerzahl von 100 Personen. Schülerinnen und Schüler sind der 3G-Regel ausgenommen. Schulen und Universitäten gehen wieder in den Präsenzbetrieb über. Neben einer Impfkampagne per Postkarte sollen Bus-Shuttles zu den Impfzentren organisiert werden.

rbb 24 vom 17. August 2021

 

Früher als erwartet nimmt die vierte Welle Fahrt auf, so das Robert-Koch-Institut in seinem neuesten Bericht. Von Infektionen betroffen sind vor allem junge Menschen in den Altersgruppen der 10- bis 49-Jährigen. Angesteckt hat sich ein Teil von ihnen in den Urlaubsländern, zum Beispiel auf dem Balkan, in der Türkei oder in Spanien. Das RKI schätzt eine Gefährdung für die Gesundheit der noch nicht oder erst einmal geimpften Bundesbürger weiterhin als hoch ein. Für vollständige Geimpfte stufen die Forscher sie als moderat ein. In den Statistiken dominiert die ansteckende Delta-Variante inzwischen zu 99 Prozent. Nach Freigabe der Stiko für Impfungen von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren steigt die Nachfrage nach Impfungen sprunghaft an, so Aussagen der Kinder- und Jugendärzte.

Tagesschau vom 20. August 2021

 

Das Verwaltungsgericht Berlin hat ein pauschales Verbot von Tanzveranstaltungen in geschlossenen Räumen aufgehoben. Veranstaltungen ausschließlich für geimpfte und von Corona genesene Menschen werden vorläufig zugelassen, für Ungeimpfte – auch bei Vorlage eines negativen Testergebnisses – gelte das Verbot dagegen weiterhin.

rbb 24 vom 20. August 2021

 

Ronny Blaschke nimmt den Beginn der Paralympics in Tokio zum Anlass, auf den Behindertensport in Deutschland hinzuweisen, der durch die Pandemie viele Mitglieder – man schätzt 17 Prozent – verloren hat und von vielen Politikern und staatlichen Stellen vergessen wurde. Vereine, Rehagruppen und Präventionsprojekte waren über Monate geschlossen. Viele behinderte Menschen sind auf Grund fehlender Barrierefreiheit und fehlender Sportangebote gar nicht sportliche aktiv. Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, fasst die Situation in einem Satz zusammen: „Wir sind in einer fürchterlichen Situation und Pandemie-Opfer“.

Deutschlandfunk vom 21. August 2021

 

Wegen Corona wurde das traditionelle „Familiensportfest“ des Berliner Sports vom Olympiapark in zehn Kieze der Bezirke verlegt. Mehr als 10.000 Sportinteressierte nutzten unter dem Motto „Kommen, ausprobieren, weitermachen“ die Angebote der Bezirkssportbünde, Verbände und Vereine auf „kurzen Wegen“. Gleichzeitig wurde die bundesweite Kampagne #SportVEREINtuns eröffnet. LSB-Präsident Thomas Härtel „Der Kampagnentitel trifft ins Herz dessen, was uns gefehlt hat: Das soziale Miteinander wie Integration, Gemeinschaft, Teamgeist, Solidarität und vieles mehr. Wir wollen mit der Kampagne Aufmerksamkeit erzeugen und Menschen motivieren, Teil in einer dynamischen Vereinsgemeinschaft zu werden.“

Süddeutsche Zeitung vom 22. August 2021

 

Berlin hat sich nach zweieinhalb Jahren ohne große Laufveranstaltungen in die Laufwelt zurückgemeldet: Mit 21.000 Läufern beim 40. Halbmarathon. Für Jürgen Lock, Geschäftsführer der SCC Events, ein „Restart der Laufveranstaltungen in Europa seit der Pandemie“.

Berliner Morgenpost vom 22. August 2021

 

Die Corona-Inzidenz in Nordrhein-Westfalen ist wieder dreistellig und damit so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Das RKI gab sie am Morgen mit 103,3 an. Am Vortag lag der Wert noch bei 99,2, vor einer Woche bei 57,2. In Berlin wurde ein Wert von 67,1 gemeldet, die höchste Inzidenz weist Friedrichshain-Kreuzberg mit 83,0 auf.

BR 24 vom 23. August 2021

 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wünscht sich bei den Paralympics keine Corona-Fälle, fügt aber in der „Paralympics-Zeitung“ hinzu: „Allerdings gehe ich schon davon aus, dass es im Umfeld der Spiele doch einige Fälle geben wird. Ich wünsche mir realistischerweise, dass es keine Corona-Verbreitung durch die Spiele gibt, weder in die japanische Bevölkerung noch in andere Länder der Welt“.

Tagesspiegel vom 24. August 2021

 

Berlins Regierender Bürgermeister lehnt in der RBB-Sendung „Wir müssen reden“ noch einmal eine Impfpflicht ab. Allerdings rechnet er damit, dass der Impfdruck durch Private aus Hotellerie und Gastronomie auf Ungeimpfte weiter steigt. Ab 11. Oktober werden Bürgertests kostenpflichtig. Wenn Ungeimpfte zu Veranstaltungen in Innenräumen wollen, müssen sie ihre Tests selbst bezahlen.

RBB vom 24. August 2021

 

Für die Fortsetzung seiner Impfkampagne braucht der Senat 131.559.800,92 Euro, so eine Vorlage an den Hauptausschuss mit der Bitte an das Abgeordnetenhaus, das Geld aus der Pandemie-Rücklage zu bewilligen. Wichtig ist der Erhalt der noch betriebenen Impfzentren, in denen auf Grund der gestiegenen Inzidenz und der beabsichtigten Impfung von Kindern und Jugendlichen mit einer erhöhten Auslastung zu rechnen ist.

rbb 24 vom 25. August 2021

 

Der Rechtswissenschaftler Steffen Augsberg beschäftigt sich mit der Zurückhaltung des Sports, insbesondere der Bundesligen, gegen von der Politik getroffene Corona-Einschränkungen allgemein und auch juristisch vorzugehen. Er hält die von Deutschland getroffenen Regelungen im europäischen Vergleich als zu streng und vermisst verfassungsrechtliche Klagen der Betroffenen. Das Hamburger 2-G-Modell, nur Geimpfte und Genesene in privaten Innenräumen zu dulden, ist für ihn kein gutes Vorbild, da man die eigentlich dringend erforderliche Risikoanalyse den Privaten überlässt und den Staat von Entscheidungen befreit.

Deutschlandfunk vom 29. August 2021

 

Gleich mehrmals in einer Ausgabe berichtet der Tagesspiegel über die Corona-Folgen für Kinder. So über den durch die Universität Graz festgestellten Negativtrend bei der körperlichen Ausdauer. Die Wissenschaftler(innen) schlagen deshalb vor, dass die Schulen jetzt nicht nur die eingetretenen Wissenslücken schließen, sondern auch etwas für die Fitness der Kinder tun müssen. Mit 11 Prozent hat sich die Lauf- und Bewegungsfähigkeit während des Lockdowns verschlechtert und mit 20,3 Prozent das Übergewicht der untersuchten Schulkinder erhöht. Zielgruppe des Forschungsteams waren sowohl Stadt- als auch Landkinder, damit haben die Zahlen für ganz Österreich Bedeutung und können auf andere europäische Länder übertragen werden. Die Übergewichtigkeit ist auch ein Thema bei dem von Saara von Alten mit Bernd Siggelkow vom Jugendprojekt „Arche“ in Marzahn geführten Interview. Siggelkow benennt Kinder seiner Jugendeinrichtung, die während des Lockdown 20 Kilo zugenommen haben. Das Interview spiegelt auch die Unfähigkeit der Politik, sich in Sachen Corona keine Gedanken über die Kinder gemacht zu haben. Siggelkow: „Es ist wichtig, dass die Kinder in die Schule und in den Sportverein gehen. Wenn man sagt, Kinder sind die Zukunft, dann muss jetzt in sie investiert werden“. Pastor Siggelkow liefert auch die Schlagzeile des Zeitungsbeitrages mit den im Lockdown erhobenen Zahlen häuslicher Gewalt: „23 Kinder starben an Corona, 152 durch Gewalt“. Das Interview sollte auch jenen die Augen öffnen, die uns zur Zeit von den Plakaten an den Straßenlampen anlächeln.

Tagesspiegel vom 30. August 2021

 

Zum Monatsende gibt es Streit zwischen der Gesundheitssenatorin und den 12 Amtsärzten der Bezirke, diesmal um einen Strategiewechsel bei der Quarantäne in Kitas und Schulen, die sich nur noch auf positiv getestete Kinder und Jugendliche erstrecken soll. Von der Quarantäne sind dann nur ungeimpfte Eltern und Geschwister für 14 Tage betroffen, während die Sitz- und Spielnachbarn der PCR-Positiven nicht belangt werden. Der Senat entscheidet sich für das 2-G-Modell für Clubs und Diskotheken und verkürzt die Quarantäne bei Schulkindern auf 5 Tage. Dass die Berliner Medien dieses Entscheidungschaos der Politik kritisieren und im Vorwahlkampf hinterfragen, ist selbstverständlich. Der Bürger wendet sich mit Grausen ab und nimmt erstmal ein kühles Bad in den wieder geöffneten öffentlichen Schwimmhallen.

Stand am 31. August 2021

 

Erstveröffentlichung 

auf www.lsb-berlin.net vom 13.9.2021

https://lsb-berlin.net/aktuelles/coronavirus-lage/chronik-der-pandemie/

 

 

 

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