Meine Corona-Chronik für September 2021: Demaskierung der Politik – die Kinder wurden vergessen.

 

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) geht mit gutem Beispiel voran: Sowohl für die Amateure als auch die Profis startet er eine große Corona-Impfkampagne. Bundestrainer Hansi Flick „Nur im Team können wir die Corona-Pandemie überstehen – indem jeder für sich und seine Mitmenschen Verantwortung übernimmt. Impfen ist unser sicherster und schnellster Weg zurück zur Normalität. Lasst ihn uns alle gemeinsam gehen“. Die DFB-Kampagne beginnt anlässlich der WM-Qualifikationsspiele der Männer und Frauen und wird mit den übrigen Heimländerspielen der Männer, der Frauen und der U 21 bis zum Jahresende fortgeführt. Zum Einsatz kommen vor allem Impfbusse. Frauen-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg spricht die Hoffnung aus, „dass unser Leben bald wieder so ist wie vor der Pandemie, mit gemeinsamen Begegnungen und Nähe in einer unbeschwerten Atmosphäre“. Motto der Impfkampagne „Schiri, ich hab‘ schon gelb“.

Süddeutsche Zeitung vom 2. September 2021

 

Mit einem Aufruf an die Mitgliedsorganisationen des Deutschen Olympischen Sportbundes unterstützt die Deutsche Sportjugend die deutschlandweite Aktionswoche der Bundesregierung „#HierWirdGeimpft“. Innerhalb der Strukturen des Vereinssports bestehen gute Möglichkeiten über die sozialen Medien und als Teil der Vereinsauftritte Impfaktionen kommunikativ zu verbreiten und eigene, niedrigschwellige Impfangebote der Sportvereine zu machen. Ziel muss es sein, dass der Sport in Deutschland nicht wieder zum Erliegen kommt.

Deutsche Sportjugend vom 9. September 2021

 

In den letzten Wochen wurde verstärkt die Folgen von Corona bei Kindern und Jugendlichen in den Fokus der Pandemie-Berichterstattung genommen. Der Vorstand der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) fordert jetzt vom Bundestag die Einrichtung einer Enquete-Kommission. Anlass ist die Auswertung unterschiedlichster ärztlicher Studien, die alle bisherigen Befürchtungen bestätigt. Neben Essstörungen und Übergewicht bei Jugendlichen weist der DAK-Report auch auf eine verstärkte Spielsucht im Internet durch geschlossene Schulen und einen deutlichen Anstieg bei Diabetes Typ-1 hin. So soll nach der Bundestagswahl eine Enquete-Kommission die Auswirkungen von Corona analysieren und langfristige Konzepte entwickeln. Handlungsbedarf sieht auch Hans-Iko Huppertz von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin: „Deutschland hat während der Pandemie in den letzten anderthalb Jahren seine Kinder vernachlässigt und bei den Familien zum Teil bleibende überwiegend psychosoziale Schäden hinterlassen“.

Tagesspiegel vom 9. September 2021

 

Nun gibt es den Pieks auch beim LSB. Zu einer offenen Impfaktion lädt der Landessportbund Berlin für den 15. September in das Manfred-von-Richthofen Haus ein. LSB-Präsident Thomas Härtel: „Wir hoffen, auf diesem Weg noch weitere Menschen zu erreichen und wollen so unseren Beitrag zur Erhöhung der Impfquote leisten“. Der Impftag ist von 8 bis 18 Uhr im großen Zelt auf den Terrassen für alle Interessierten offen. Auch der leitende Olympiaarzt, Prof. Dr. Bernd Wolfarth von der Charité, wird einen Teil der Impfungen vornehmen. Bereits am ISTAF-Sonntag zuvor wurden den Besuchern Impfangebote gemacht.

Landessportbund Berlin vom 9. September 2021

 

Christine Richter und Jens Anker berichten über die anstehenden Senatsentscheidungen zu weiteren Corona-Verschärfungen. So soll es privaten Veranstaltern ermöglicht werden, nur noch Geimpfte und Genesene zu empfangen, das sogenannte „2G-Optionsmodell“. Im Gegenzug können Gastgeber mehr Gäste einladen, die sich in den Räumlichkeiten auch freier bewegen dürfen. Zum Beispiel für die Gastronomie, Kulturveranstaltungen und den Hallensport. Ein Paradigmenwechsel, aber keine Impfpflicht für Erwachsene.

Berliner Morgenpost vom 14. September 2021

 

Der Tagesspiegel-Checkpoint stellt die Auswirkungen des vom Senat beschlossenen 2G-Optionsmodells in seinen Mittelpunkt: Masken- und Abstandspflicht für Geimpfte können wegfallen, aber Kinder müssen draußen bleiben. Also kein gemeinsamer Museumsbesuch oder Geburtstagsbesuch bei Oma und Opa. Der Kommentar von Stefan Jacobs: „Der Beschluss ist nicht mehr allzu weit weg von einer Impflicht durch die Vordertür, sofern hinter dieser Tür etwas los ist. Und er die nächste Gemeinheit gegenüber den Kindern“. Auch das Kinderhilfswerk hat den Beschluss inzwischen als „kinder- und familienfeindlich“ kritisiert.

Tagesspiegel vom 15. September 2021

 

Die vielfältigen Initiativen der Dachorganisationen des Sports zur Wiederbelebung des Kinder- und Jugendsports greift Udo von „hauptstadtsportTV“ auf und berichtet auf seinem Videokanal über den erstmals nach Corona wieder veranstalteten „KidsAKTIV-Tag“ des SC Siemensstadt. Alle ‚Kinder bis Acht‘ waren ins Sportzentrum am Rohrdamm eingeladen, um sich zu bewegen, auszuprobieren, oder um sich einfach wieder richtig auszutoben. Ein Beispiel von vielen, damit Sportangebote des Vereinssports wieder an Fahrt aufnehmen können.

Sportsplitter vom 15. September 2021

 

Eine Rolle rückwärts zu Gunsten der Kinder machte der Senat. Die gerade beschlossene G2-Option wurde einen Tag später verbessert: Kinder unter 12 Jahren können nun auch an Veranstaltungen teilnehmen, die sonst nur für gegen Corona geimpfte und genesene Personen vorgesehen sind. Kinder ab sechs Jahren müssen demnach einen negativen Corona-Test vorweisen, soweit sie nicht im Rahmen des Schulbesuchs getestet werden. Am Senatsbeschluss, der Kinder ausgegrenzt und von ihren Familien getrennt hatte, gab es von allen Seiten Kritik. Nun können wieder gemeinsam Sport- und Kulturveranstaltungen sowie Restaurants besucht werden.

rbb 24 vom 15. September 2021

 

Den Impftag des Berliner Sports am 15. September im Manfred-von-Richthofen Haus besuchte Christine Lambrecht, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, gemeinsam mit LSB-Präsident Thomas Härtel. Sie unterstrich die Notwendigkeit der Impfungen von Erwachsenen, die damit Verantwortung für ihre Kinder übernehmen solange noch kein Impfstoff für unter 12-Jährige bereitsteht. In Gesprächen mit Rebekka Kemmler-Müller (dsj) und Steffen Sambill (SJB) informierte sie sich über die Corona-Initiativen des Sports und das von der Deutschen Sportjugend entwickelte „Aktivpaket“ zur Schließung der aufgetretenen Bewegungslücken bei Kindern und Jugendlichen.

Sportjugend Berlin vom 16. September 2021

 

Miray Caliskan stellt die Frage „Genesen oder nicht?“ und beschäftigt sich mit der Aussagekraft von Antikörpertests. Ungeklärt ist, wann eine natürliche Immunität als ausreichend empfunden wird, wenn der PCR-Befund mehr als sechs Monate zurückliegt. Hier sind sich die Virologen noch uneinig, was bedeutet, dass sich Genesene früher oder später impfen lassen müssen, um auch von künftigen Lockerungen der Corona-Maßnahmen profitieren zu können.

Berliner Zeitung vom 17. September 2021

 

Dr. Michael Vesper, von 2006 bis 2017 erst Generaldirektor, dann Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), ist seit kurzer Zeit Präsident des traditionsreichen ASV Köln, eines besonders in der Leichtathletik bekannten Kölner Großvereins. Stephan Klemm und Christian Löer haben ihn interviewt und auch nach den Folgen von Corona für die sporttreibenden Kinder in seinem Verein befragt. Vesper: „In einer Zeit, in der man schon wieder in die Kneipe und ins Restaurant gehen konnte, war der Sport weiterhin sogar draußen verboten. Das war völlig kontraproduktiv, ein riesiger Verlust für die Kinder und Jugendlichen, die ihren Sport nicht mehr betreiben konnten. Da stand der Sport am Ende der Nahrungskette – und hat auch selbst zu wenig Kraft entwickelt, um öffentlich sichtbar zu machen, dass da etwas falsch läuft. Das war bitter. Der Sport hätte sich deutlicher artikulieren müssen. Andere haben das getan. Die Kultur zum Beispiel war besser zu vernehmen. Als die Öffnungen kamen, hätte der Sport viel früher bedacht werden müssen“. Michael Vesper (69) war 1979 Gründungsmitglied der Grünen und von 1995 bis 2002 Minister und stellvertretender Ministerpräsiden von Nordrhein-Westfalen.

Kölner Stadt-Anzeiger vom 19. September 2021

 

Der Tagesspiegel weist in seinem Berlinteil auf die von der Sportjugend und den Berliner Schwimmvereinen während der Herbstferien angebotenen Kinder-Schwimmkurse hin. Sie richten sich an Schulkinder der vierten bis sechsten Klasse, die coronabedingt im Sportunterricht kein Seepferdchen oder Jugendschwimmabzeichen in Bronze erwerben konnten. Die Kurse finden in zehn Bädern statt, jeweils an fünf Tagen über 45 Minuten. Die Hälfte der Kurse ist inklusiv für Kinder mit oder ohne Behinderung. Plätze gibt es für mehr als 1.800 Kinder, die Teilnahme ist kostenlos.

Tagesspiegel vom 21. September 2021

 

Der Berliner Senat verschärft die Corona-Regeln: Ab 26. September muss bei Anwendung der 2G-Option der Nachweis für Geimpfte und Genesene digital erbracht und mit einem Lichtbildausweis abgeglichen werden. Das gilt besonders für Dienstleistungen in der Gastronomie und auch für den Kultur- und Sportbereich. Bei den 2G-Bedingungen besteht keine Pflicht zur Einhaltung des Mindestabstands und der Maskenpflicht. Die Zulassung von Großveranstaltungen darf eine Auslastung von bis zu 100 Prozent umfassen, maximal aber 25.000 – so beim Berlin Marathon am 24. September – zeitgleich anwesende Personen. Kinder unter 12 Jahren dürfen an 2G-Veranstaltungen teilnehmen und 2G-Einrichtungen betreten, wenn sie negativ getestet sind. Die Beschränkungen für private Kontakte in geschlossenen Räumen sowie im Freien sind aufgehoben worden.

rbb24 vom 23. September 2021

 

Die Profiligen im Fußball und Basketball setzen auf geimpfte Akteure. So verkündet die Deutsche Basketball-Liga stolz, dass ihr Personal zu 99 Prozent gegen das Coronavirus geimpft ist. Claudio Catuogno kommentiert die Impfpflicht im Millionenbusiness Spitzensport als Teil des Geschäftsmodells Profiliga, wenn die Sportler alle paar Tage in eine andere Stadt reisen, Flugzeug, Shuttlebus, Hotel, Arena: „Die Ansteckungsgefahr ist hoch, unnötige Ausfälle sind zu vermeiden. Und wenn man die weiter vorsichtige Kundschaft an den Ticketschaltern nach dem Impfnachweis fragt, kann man auf der anderen Seite schlecht sagen, dass die Jungs auf dem Parkett übrigens ungeimpft sind“. Es ist rechtlich zweifelhaft, den Impfstatus bei Beschäftigten abzufragen. Daran hält sich im Profisport keiner, hier siegt Vertragsunterschrift gegen Grundrecht. Der Impfzwang für Athleten und Athletinnen kommt sowieso, und zwar bei den Olympischen Winterspielen in Peking 2022. Da muss auch der Deutsche Olympische Sportbund noch seine Position finden.

Süddeutsche Zeitung vom 24. September 2021

 

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) – nach dem DFB größte Sportorganisation der Bundesrepublik – zieht eine erste, positive Bilanz aus seiner Teilnahme an der Kampagne #sportVEREINTuns. DTB-Präsident Alfons Hölzl sieht gegenüber dpa gute Chancen, „die Menschen wieder zurückzuholen in den Sport“. In der Corona-Krise sind je nach regionalen Bedingungen zwischen acht und zwölf Prozent der fünf Millionen Mitglieder verloren gegangen. Der Rückgang zeigt sich besonders bei den Kindern sowie bei Vereinen mit Kursangeboten. Weniger problematisch ist es beim Wettkampfbereich und im ländlichen Raum. „Je dienstleistungsorientierter, desto problematischer“ sagt der Turnerbunds-Präsident. Er empfiehlt den Vereinen, sich dort zu engagieren, wo die Menschen sind. In Kitas und Schulen, auf Markt- und Stadtplätzen: „Wir müssen die Menschen abholen und ihnen niedrigschwellige und zeitlich flexible Angebote machen“.

DOSB-Presse vom 28. September 2021

 

Der Senat von Berlin hat ab 4. Oktober den Wegfall der Maskenpflicht an Grundschulen beschlossen. Das gilt für die Klassen 1 bis 6, wobei das Tragen einer Maske nicht verboten ist. Ab 7. Klasse bleibt es bei der Maskenpflicht, Ausnahmen sind bei Klausuren und Klassenarbeiten möglich, sofern die Schülerinnen und Schüler am Platz sitzen. Schulsenatorin Sandra Scheeres schloss nicht aus, in den nächsten Wochen bei zurückgehenden Inzidenzen auch auf die Maskenpflicht bei den oberen Klassenstufen zu verzichten.

rbb24 vom 28. September 2021

 

Julian Baumeister spricht sicher vielen Eltern von Sportkindern – und das sind ein großer Teil der Berliner Bevölkerung – aus dem Herzen, wenn er an den durch Corona erzeugten „grauen Fußballalltag“ der letzten anderthalb Jahre erinnert und die Ereignisse aneinanderreiht. Das gemeinsame Sporttreiben fehlte und die Sportverbote haben die Amateure besonders hart, unüberlegt und auch ungerecht getroffen. Corona war unberechenbar, durfte gerade wieder Fußball gespielt werden, nahte schon der nächste Lockdown mit Annullierung der Spielergebnisse. Das Recht der Kinder auf Bewegung wurde ausgesetzt und die Runden der Politik haben sich, so Baumeister, „schlichtweg mit dem Amateursport nicht beschäftigt“. Ein wichtiger Beitrag eines frustrierten Autors, der nicht in der Ablage verschwinden sollte. Er ist an die frisch gewählten Abgeordneten im Land und in den Bezirken gerichtet: Der Sport ist für die Bürgerinnen und Bürger ein Stück Heimat – hier sind sie zu Hause.

Tagesspiegel vom 29. September 2021

 

Erstveröffentlichung

auf www.lsb-berlin.net vom 4. Oktober 2021

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