Der Anschluss der völkischen Turnvereine an die Deutsche Turnerschaft 1933.

Vor 130 Jahren gab es den ersten

Arierparagraphen im Vereinssport.   

Eigentlich war das Wort völkisch in den letzten Jahrzehnten aus unserem Sprachgebrauch so gut wie verschwunden. Jetzt begegnet man ihm täglich. In Verbindung mit den Flüchtlingsströmen und der Angst vor Fremden wird es in die Schlagzeilen der Zeitungen und Meldungen gespült. Wieder in Verbindung mit Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus wie schon vor mehr als 150 Jahren. Wir wissen nicht, wie es in Osteuropa, in Österreich und Frankreich, ja auch in Deutschland, weitergeht. Jedenfalls nehmen Rassismus und Fremdenhass inzwischen Einfluss auf die Innenpolitik und das Zusammenleben und Miteinander von Menschen in Europa. Das geht auch nicht am Sport vorbei.
Seit dem Wegbrechen der Sportgeschichte an unseren Universitäten sind es Einzelkämpfer, Historiker, Journalisten und Antisemitismusforscher, denen es gelingt, die Zeitgeschichte des Sports der Öffentlichkeit zu vermitteln. Zum Beispiel im Zusammenhang mit Sportevents wie Olympischen Spielen oder den Maccabi Games. Es gibt aber auch Laien, einfach nur Sportbegeisterte, die in Geschichtsarbeitskreisen Licht in das Dunkel ihrer Sportarten und Sportvereine bringen wollen. Ehrenamtlich und aus Passion. Sie forschen in alten Mitgliederlisten, in Vereinsregistern der Amtsgerichte und in den nur selten noch vorhandenen Vereinszeitungen, was zum Beispiel 1933 mit ihren jüdischen Vereinskameraden passierte, wer Opfer und – oft im vorauseilenden Gehorsam – Täter war. Sie brechen das Schweigen und Verschweigen der Vorkriegsgeneration.
Wer weiß heute noch, dass es bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten Sportvereine gab, die keine Juden unter ihren Mitgliedern duldeten? Nicht nur, dass sie deren Aufnahmeanträge einfach demokratisch ablehnten, sondern einen Beitritt bereits von vornherein in ihren Satzungen ausschlossen? So geschehen zum Beispiel in den völkischen Turnvereinen, die außerhalb der Deutschen Turnerschaft standen und Mitglieder des österreichischen Deutschen Turnerbundes waren.
Der Deutsche Turnerbund (DTB) hatte sich 1889 in Wien gegründet, nachdem die Deutsche Turnerschaft 1888 den Niederösterreichischen Turngau ausgeschlossen hatte. Grund dafür war die Einführung eines Arierparagraphen, der Juden und Fremdvölkische aus den Turnvereinen verbannte und in eigene Verbände zwang. Das konnte und wollte die Deutsche Turnerschaft nict dulden.
Siegelmarke des Deutschen Turnerbundes mit dem ‘verbogenen 4-F’ in Hakenkreuzform (li). Spendenmarke über 2 Heller des 6. Bundesturnfestes in Eger xxxx zur Jahnmal-Weihe (re). Fotos: Sammlung Nippe.

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