Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Sportgeschichte(n) aus “Sport in Berlin”

Mittwoch, 02. September 2020

Sport in Berlin vom Juni/Juli 2020

Vor 100 Jahren

In Anwesenheit des Reichspräsidenten Friedrich Ebert wird am 15. Mai 1920 in der Berliner Universität die „Deutsche Hochschule für Leibesübungen“ gegründet. Träger der Hochschule sind die im Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen vertretenen Sportverbände und die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege. Sitz der Hochschule ist das Deutsche Stadion mit dem ab 1925 errichteten „Deutschen Sportforum“ (heute Olympiagelände). Die Hochschule wird 1934/35 geschlossen.

 

Vor 50 Jahren

In Berlin wird am 16. März 1970 die Kampagne „Trimm Dich durch Sport“ gestartet. Sie wird die größte Sozial-Marketing-Kampagne in Deutschland werden. Die Mitgliederzahlen im Deutschen Sportbund verdoppeln sich in zwei Jahrzehnten. Das lustige Maskottchen „Trimmy“ bringt eine ganze Nation auf Trab. DSB-Trimmvater Jürgen Palm entwickelt von Jahr zu Jahr neue Schwerpunkte für alle Alters- und Zielgruppen. Volksläufe und Trimmspiele werden veranstaltet, Trimm-Dich-Pfade in Wäldern gebaut, Ausdauersport und Geselligkeit im Verein propagiert. Die Devise heißt „Sport für alle“ und führt zum heutigen Gesundheitssport und dem von den Ärzten empfohlenen „Rezept für Bewegung“. Eine Erfolgsgeschichte, sicher über Corona hinaus.

 

Mit dem „Sporthistorischen Kabinett“ in der KJS Werner Seelenbinder in Berlin (Ost) wird das Sportmuseum Berlin begründet. Nach der friedlichen Revolution wird es 1990 dem Magistrat übergeben und gelangt dann über das Stadtmuseum in die Verwaltung der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Als LSB-Mitgliedsorganisation besteht in Berlin (West) seit 1976 das Forum für Sportgeschichte, der jetzige Fördererverein des Sportmuseums. Das Museum hat seinen Sitz im Olympiapark und hofft auf den Abschluss der Bauarbeiten für die Dauerausstellung unter dem Glockenturm des Maifeldes. Eigentlich sollte diese zum Turnfest 2017 eröffnet werden, die Bauarbeiten werden sich aber noch bis 2022 (oder später?) hinziehen. Eine alte „Berliner Krankheit“.

 

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Mein Corona-Tagebuch: Juni/Juli 2020 – Bewegte Pausen oder Bettgymnastik?

Mittwoch, 02. September 2020

 

Der Deutschland-Achter geht wieder aufs Wasser. Ruder-Bundestrainer Uwe Bender begrüßt den Wiederbeginn des Trainings im Großboot nach der Corona-Pandemie: „Es ist absolut wichtig für uns, dass wir wieder einen relativ normalen Sportbetrieb durchführen können und beim Training andere Möglichkeiten als bislang haben.“

sid vom 1. Juni 2020

 

Tennis-Stars kommen nach Berlin. Die Freude über das Pilotprojekt ist groß, ein internationales Tennisturnier im Steffi-Graf-Stadion auf Rasen und im Hangar des Tempelhofer Flughafens auf Hartplatz zu veranstalten. Berlin ist vom 13. bis 19. Juli weltweiter Vorreiter.

Berliner Zeitung vom 1. Juni 2020

 

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Mein Corona-Tagebuch: April/Mai 2020 – Der Weg zur Normalität ist noch lang.

Freitag, 10. Juli 2020

 

 

Nach Meinung nahezu aller Virologen geht es im Kern der Maßnahmen gegen Corona um die Vermeidung von direkten Kontakten, nicht um die Vermeidung von Bewegung. Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Institut für Tropenmedizin: Sport ist förderlich für die Gesundheit, auch jetzt. Insbesondere auch allein im Freien. Das sorgt Stresssituationen vor, die zu Schlaganfall oder Herzinfarkt führen können. Sein Kollege Prof. Christian Drosten von der Charité sieht besonders auch die Förderung der psychischen Stabilität durch Sport positiv.

Deutsche Welle vom 3. April 2020

 

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Mein Corona-Tagebuch: März 2020 – Ein Monat, der die Gesellschaft und den Sport verändert.

Montag, 11. Mai 2020

Das neuartige Coronavirus hat sich seit 26. Dezember 2019 explosionsartig über China, Japan und Südkorea ausgebreitet und im Januar 2020 Europa erreicht. Risikogebiete sind nach wenigen Wochen Italien/Lombardei und Spanien/Madrid. Deutschland wird mit Nordrhein-Westfalen, Bayern und dem Saarland zuerst betroffen. Die Bundesregierung bildet einen Krisenstab und beschließt einen Maßnahmenkatalog. Das Robert-Koch-Institut übernimmt die tägliche Information der Regierung und Bevölkerung. Der Norddeutsche Rundfunk schaltet einen regelmäßigen Podcast mit dem Virologen Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité. Berlin meldet den ersten Infizierten. Das Leben ändert sich.

Stand am 1. März 2020

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70 Jahre Landessportbund Berlin

Samstag, 12. Oktober 2019

Ein Blick zurück:

Vor 70 Jahren wurde der Sportverband Groß-Berlin gegründet.

 

Der Landessportbund Berlin wurde am 29. Oktober 1949 als „Sportverband Groß-Berlin“ gegründet. Im Mittelpunkt stand der Wunsch, den von den Alliierten 1945 in den Bezirken eingeführten Kommunalsport durch die Zulassung des Vereinssports abzulösen und einen Dachverband zu schaffen. Die drei Westalliierten und das Hauptamt für Leibesübungen beim Magistrat waren ähnlicher Meinung und unterstützten die Lizenzierung von Sportvereinen und dann auch von Fachverbänden. Das geschah in Abgrenzung zum Ostteil Berlins, in dem nach sowjetischen Modell Betriebssportgemeinschaften und Sportclubs der Massenorganisationen innerhalb des von der FDJ und dem FDGB gebildeten „Deutschen Sport-Ausschusses“ entstanden.

 

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Mehr als eine Provinzposse: Die Umbenennung des “Jahn-Sportparks” in Berlin

Donnerstag, 03. Januar 2019

Die Umbenennung des „Friedrich-Ludwig-Jahn Sportparks“ in Berlin-Pankow ist noch nicht vom Tisch.

Nach dem Olympiapark in Charlottenburg und dem Sportforum Hohenschönhausen gehört der „Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark“ in Prenzlauer Berg zu den größten Sportstätten Berlins. In den nächsten fünf Jahren soll er für den Breiten- und Spitzensport ertüchtigt und zu einem Zentrum der Paraolympischen und Inklusionssportarten ausgebaut werden. Ein ehrgeiziges Vorhaben.

                                                                                                       Logo des Jahn-Sportparks.

(Foto: SenInnSport)

Nun gibt es Streit um den Namen „Friedrich Ludwig Jahn“: Das Bezirksamt Pankow hat den Senat von Berlin aufgefordert, eine Umbenennung des zukünftigen Sportparks zu prüfen. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat das nach einer „Kleinen Anfrage“ im Abgeordnetenhaus abgelehnt und dem Bezirk die „rote Karte“ gezeigt. Der Bezirk macht weiterhin Front gegen Jahn, eine Umbenennung ist damit noch nicht vom Tisch.

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Das Projekt “Kick” – ein Blick zurück.

Montag, 08. Oktober 2018

Der Beitrag erinnert an die Gründungsgeschichte des Projektes „Kick – Sport gegen Jugenddelinquenz“ von den Anfängen im Jahr 1990 bis zur Konsolidierung zum Jahrtausendwechsel.

Mit einem herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und der Feststellung „schön, dass es Euch noch gibt“ möchte ich Rückschau halten auf die ersten Jahre des von der Sportjugend und der Polizei gegründeten Kooperationsprojektes ‚Kick – Sport gegen Jugenddelinquenz‘. Es waren spannende Zeiten und viele Steine mussten aus dem Weg geräumt oder übersprungen werden. Ich gehörte von 1970 bis 2000 zu den Wegräumern und trug als LSB-Jugendreferent und hauptamtliches Vorstandsmitglied der Sportjugend Verantwortung für Kick. Daran erinnere ich mich gern.

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Mehr als 70 Turnvereine in Berlin und Brandenburg gehörten 1933 dem antisemitischen Deutschen Turnerbund in Wien an.

Sonntag, 20. August 2017

Auf großes Interesse ist mein 2016 beim Lanzer Jahn-Kolloquium gehaltener Vortrag über den 1933 erfolgten Beitritt der völkischen Turnvereine in die Deutsche Turnerschaft gestoßen. Nach inzwischen vorliegenden Bestandserhebungen und Auswertungen der Bundesturnzeitung des (österreichischen) Deutschen Turnerbundes kann hier eine Liste der antisemitischen Turnvereine in Groß-Berlin und Brandenburg, die sich in der Regel “Deutscher Turnverein (DTV)” nannten,  veröffentlicht werden:

 

Völkische Turnvereine in Berlin und Brandenburg 1933

 

Groß-Berlin

Alldeutscher TV Berlin 1899

Deutsche Turngemeinde Frohnau 1929

Deutsche Turngemeinde Hermsdorf 1908

Deutsche Turn- und Fechtgemeinde Halensee

Deutscher Turnerbund Steglitz

Deutscher Turnerbund Siemensstadt

DTV Armin Berlin 1897

DTV Armin Oberschöneweide

DTV Berlin 1890

DTV Berliner Turnerbund

DTV Bismarck Berlin

DTV Bismarck Wartenberg

DTV Charlottenburg 1905

DTV Charlottenburger Turngemeinde

DTV Franz Kießling Malschow

DTV Friedrichshagen 1901

DTV Friedrichshain Berlin 1919

DTV Friesen Berlin 1891

DTV Friesen Dalldorf

DTV Friesen Wilmersdorf 1900

DTV Frisch Auf Berlin

DTV Frisch Auf Marzahn

DTV Frisch Auf Rosenthal

DTV Jahn Berlin 1891

DTV Jahn Lübars 1906

DTV Jahn Oberschöneweide

DTV Jahn Rosenthal

DTV Jahn Weissensee

DTV Köpenick

DTV Moabit

DTV Scharnhorst

DTV Schlageter

DTV Siegfried Spandau 1926

DTV Spandau

DTV Sparta Steglitz

DTV Theodorf Körner Berlin 1896

DTV Wanderlust Hohenschönhausen 1907

DTV Waidmannslust

DTV Wartenberg

Deutschvölkischer TV Berlin 1899

Turngruppe der Sektion Mark Brandenburg des DAV

TV Deutsche Eiche Blankenfelde

Verein für deutsches Turnertum zu Berlin 1932

Deutscher Turnerbund Berlin (Dachverein 1933)

 

Brandenburg

DTV Angermünde 1891

DTV Armin Falkenberg 1904

DTV Deutsche Eiche Schildow

DTV Deutsche Eiche Krummensee

DTV Eberswalde 1891

DTV Felsing Ahrensfelde 1908

DTV Friedrich Friesen Potsdam

DTV Friesen Bad Freienwalde

DTV Friesen Magdeburg

DTV Frisch Auf Mühlenbeck

DTV Germania Blumberg

DTV Glück Auf Gusow

DTV Hindenburg Mehrow

DTV Hönow

DTV Jahn Bad Wilsnack

DTV Jahn Hohen Neuendorf

DTV Jahn Lindenberg

DTV Jahn Schönfließ

DTV Kyffhäuser Schönerlinde

DTV Lützow Löhme

DTV Mahlsdorfer Turnerbund

DTV Markgraf Gero Havelberg

DTV Roskow

DTV Storkow

DTV Theodor Körner Seefeld

DTV Wachow 1924

DTV Wendisch Buchholz

DTV Werneuchen

DTV Wittenberg a.d.Elbe

DTV Zechlinerhütte

TV Pommern Stettin

 

Zum 1. Januar 1934 musste der ‘Anschluss’ aller bisherigen Vereine des Deutschen Turnerbundes (Wien) an die Deutsche Turnerschaft und den Reichsbund für Leibesübungen vollzogen sein. Ein großer Teil der Berliner völkischen Vereine trat dem neuen Dachverein “Deutscher Turnerbund Berlin e.V.” bei, der mit über 3.000 Mitgliedern einer der größten Turnvereine im Reich wurde.

Eine Auswertung der Vereinsregisterakten und Ortschroniken ist noch nicht erfolgt und muss innerhalb eines wissenschaftlichen Projektes erfolgen.

In der Beilage ‘Norddeutschland’ der Bundesturnzeitung verabschiedete sich der Gau Brandenburg vom Deutschen Turnerbund:



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Anschluss der völkischen Turnvereine an die Deutsche Turnerschaft 1933.

Samstag, 19. August 2017

Vor 130 Jahren gab es den ersten

Arierparagraphen im Vereinssport.   

Eigentlich war das Wort völkisch in den letzten Jahrzehnten aus unserem Sprachgebrauch so gut wie verschwunden. Jetzt begegnet man ihm täglich. In Verbindung mit den Flüchtlingsströmen und der Angst vor Fremden wird es in die Schlagzeilen der Zeitungen und Meldungen gespült. Wieder in Verbindung mit Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus wie schon vor mehr als 150 Jahren. Wir wissen nicht, wie es in Osteuropa, in Österreich und Frankreich, ja auch in Deutschland, weitergeht. Jedenfalls nehmen Rassismus und Fremdenhass inzwischen Einfluss auf die Innenpolitik und das Zusammenleben und Miteinander von Menschen in Europa. Das geht auch nicht am Sport vorbei.
Seit dem Wegbrechen der Sportgeschichte an unseren Universitäten sind es Einzelkämpfer, Historiker, Journalisten und Antisemitismusforscher, denen es gelingt, die Zeitgeschichte des Sports der Öffentlichkeit zu vermitteln. Zum Beispiel im Zusammenhang mit Sportevents wie Olympischen Spielen oder den Maccabi Games. Es gibt aber auch Laien, einfach nur Sportbegeisterte, die in Geschichtsarbeitskreisen Licht in das Dunkel ihrer Sportarten und Sportvereine bringen wollen. Ehrenamtlich und aus Passion. Sie forschen in alten Mitgliederlisten, in Vereinsregistern der Amtsgerichte und in den nur selten noch vorhandenen Vereinszeitungen, was zum Beispiel 1933 mit ihren jüdischen Vereinskameraden passierte, wer Opfer und – oft im vorauseilenden Gehorsam – Täter war. Sie brechen das Schweigen und Verschweigen der Vorkriegsgeneration.
Wer weiß heute noch, dass es bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten Sportvereine gab, die keine Juden unter ihren Mitgliedern duldeten? Nicht nur, dass sie deren Aufnahmeanträge einfach demokratisch ablehnten, sondern einen Beitritt bereits von vornherein in ihren Satzungen ausschlossen? So geschehen zum Beispiel in den völkischen Turnvereinen, die außerhalb der Deutschen Turnerschaft standen und Mitglieder des österreichischen Deutschen Turnerbundes waren.
Der Deutsche Turnerbund (DTB) hatte sich 1889 in Wien gegründet, nachdem die Deutsche Turnerschaft 1888 den Niederösterreichischen Turngau ausgeschlossen hatte. Grund dafür war die Einführung eines Arierparagraphen, der Juden und Fremdvölkische aus den Turnvereinen verbannte und in eigene Verbände zwang. Das konnte und wollte die Deutsche Turnerschaft nict dulden.
Siegelmarke des Deutschen Turnerbundes mit dem ‘verbogenen 4-F’ in Hakenkreuzform (li). Spendenmarke über 2 Heller des 6. Bundesturnfestes in Eger xxxx zur Jahnmal-Weihe (re). Fotos: Sammlung Nippe.

Prof. Dr. August Bier – Arzt, Ökologe und Philosoph

Freitag, 24. März 2017

Der Arzt, der Leibesübungen verordnete und Bäume pflanzte.

Er gehört zu den weltweit bekanntesten Chirurgen der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Prof. Dr. August Bier (1861-1949) war 25 Jahre lang Leiter der Chirurgischen Klinik der Berliner Universität in der Ziegelstraße. Mehr als 5000 Mal stand er am Operationstisch, seine Vorlesungen waren überfüllt, viele Anekdoten und Zitate des energisch-knorrigen und mit sarkastischem Humor ausgestatteten Geheimrates machten die Runde. Als ein „Titan der Chirurgie“ wurde er im Gedenken an seinen 150. Geburtstag im Jahr 2011 in Festveranstaltungen, Zeitungs- und Rundfunkbeiträgen gewürdigt.

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August Bier. Foto: Archiv LSB Berlin.

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